Blutzuckerselbstkontrolle » Nutzen Blutzuckermessen

Selbstmesser leben messbar besser

Typ-2 Diabetiker, die ihren Blutzucker regelmäßig selbst kontrollieren, erzielen im Vergleich zu Mess-Muffeln im Schnitt bessere Blutzuckerwerte.

Auch hinsichtlich Lebenserwartung und -qualität haben Selbstmesser die Nase vorn. Die Erklärung: Wer seinen Blutzuckerwert konsequent selbst überprüft, entwickelt ein besseres Verständnis für seine Stoffwechselerkrankung und kann eigenverantwortlicher damit umgehen.

Auch nicht insulinbehandelte Typ-2 Diabetiker profitieren messbar von der regelmäßigen Blutzuckerselbstkontrolle. Das hat die Auswertung von acht Studien mit insgesamt 1307 Patienten deutlich gemacht (1). Besonderes Augenmerk galt dabei dem HbA1c-Wert, also dem „Blutzucker-Langzeitgedächtnis“. Dieser Wert besagt, wie viel roter Blutfarbstoff „verzuckert“ ist, was wiederum auf die langfristige Blutzuckereinstellung schließen lässt: Je höher der HbA1c, desto höher waren in den Wochen zuvor die Blutzuckerspiegel. Angestrebt wird bei Diabetikern ein HbA1c-Wert von 6,5 % (2). In den Studien hatten Typ-2 Diabetiker, die ihren Blutzucker regelmäßig selbst kontrollierten, einen um durchschnittlich 0,4 Prozentpunkte geringeren HbA1c-Wert. Dies entspricht einer zusätzlichen Reduktion von 45 % (3) - alleine durch eine 3- bis 12-mal wöchentliche Selbstkontrolle! Der Effekt war dabei unabhängig von der medikamentösen Behandlung.

Besser und länger leben

Eine weitere Studie hat die Fachwelt aufhorchen lassen: Mit über 3.000 Typ-2 Diabetikern wurde erstmals wissenschaftlich bewiesen, dass die Blutzuckerselbstkontrolle nicht nur die bewusste Auseinandersetzung mit der Erkrankung und den HbA1c-Wert positiv beeinflusst. Auch das Sterberisiko und die Gefahr von gravierenden Diabetesfolgen (z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall, Fußamputation, Erblindung) wurden damit um ein Drittel gesenkt (4). Die Blutzuckerselbstkontrolle verbessert also messbar die Lebenserwartung und die Lebensqualität eines Diabetikers.

Ein Blutzucker-Messgerät ist somit weit mehr als ein rein diagnostisches Instrument. Es ermöglicht einem Diabetiker jederzeit und unmittelbar nachzuvollziehen, welchen Einfluss bestimmte Ernährungs- und Verhaltensweisen auf den Blutzuckerwert haben. Damit übernehmen Blutzucker-Messgeräte zusätzlich eine wichtige Rolle als Motivationsinstrument. Daher fordern auch Fachgesellschaften, die Blutzuckerselbstkontrolle für jeden neu entdeckten Typ-2 Diabetiker ins therapeutische Gesamtkonzept zu integrieren (5).

Nach dem Essen messen nicht vergessen

Besonders wichtig ist für Diabetiker die Blutzuckerbestimmung nach einer Mahlzeit (postprandial). Denn Blutzuckerspitzen steigern nach heutiger Erkenntnis das Risiko für diabetische Begleit- und Folgeerkrankungen wie Gefäßschäden und Herzinfarkt, etc. ganz besonders (6). Der postprandiale Blutzuckerwert hat vor allem in den ersten Krankheitsjahren noch größere Bedeutung als der Nüchternwert (7). Die deutschen Fachgesellschaften empfehlen deshalb, dass der Blutzuckerwert ein bis zwei Stunden nach Beginn einer Hauptmahlzeit wieder unter 135 mg/dL oder 7,5 mmol/L liegt (8).

Konkrete Tipps für den Mess-Alltag

Um Menschen mit Diabetes im Umgang mit ihrer Erkrankung und insbesondere bei der Blutzuckerselbstkontrolle zu unterstützen, haben wir unser Internet-Angebot weiter ausgebaut. Neben einem interaktiven Service-Rechner für die Bestimmung Ihres Body Mass Indexes (BMI) und Ihres HbA1c-Wertes können Sie auch einfach Ihre Blutzuckerwerte in mmol/L oder mg/dL umrechnen sowie sich mit dem Waist-to-Hip-Ratio Rechner das Verhältnis von Taillen- zu Hüftumfang angeben lassen. Im Beitrag „Richtig Blutzuckermessen“ gibt’s jede Menge praktische Tipps und nützliche Kniffe rund ums korrekte Messen im Alltag. Der monatliche „ABBOTTizer“ mit kulinarischen Ideen, ein Diabetes-Glossar und viele weitere Infos zum Thema Diabetes runden unser Service-Angebot ab.

Quellen:

(1) Sarol J et al.: Self-monitoring of blood glucose as part of a multi-component therapy among non-insulin requiring type 2 diabetes patients: a meta-analysis (1966-2004); Current Medical Research and Opinion® , 2005;21(2): 173-183

(2) International Diabetes Federation (IDF): Global Guideline for Type 2 Diabetes, 2005

(3) Goldfarb B: Self-Monitoring may help patients with non-insulin-treated type 2 diabetes; DOC News, 2005;2(11): 1

(4) Martin S et al. for the ROSSO Study Group: Self-monitoring of blood glucose in type 2 diabetes and long-term outcome: an epidemiological cohort study; Diabetologia 2006;49: 271-278

(5) Informationsdienst des Deutschen Diabetes-Zentrums Düsseldorf (DDZ) unter www.diabetes-deutschland.de vom 14.09.2005

(6) Ärztezeitung, 14.01.2003

(7) Ärztezeitung, 09.06.2005

(8) Nationale Versorgungsleitlinie Diabetes mellitus Typ 2, 2002

Autorin: Christiane Weber, Apothekerin und Fachjournalistin, Reutlingen

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