Volkskrankheit Diabetes
"Veränderung fängt in Dir selber an"
Ein Gespräch mit dem Diabetiker Thomas Freienstein und dem Diabetologen Dr. Benno Schulze-Schleppinghoff
Thomas Freienstein spricht diesen Satz gelassen aus. Und voller Überzeugung – hat er sich die Bedeutung doch leidvoll erarbeiten müssen. Seit über zwei Jahren lebt der Essener mit der Diagnose Typ-1 Diabetes. Doch wie alles anfing, liest sich wie ein Horrormärchen.
Schwere Verbrennungen am ganzen Körper, Nierenversagen – akute Lebensgefahr. Als Freienstein ins Krankenhaus eingeliefert wurde, veränderte sich sein Leben von einem Tag auf den anderen. Dabei war der damals 35-jährige nur unter der Sonnenbank gewesen. Für ihn war unerklärlich, warum sein Körper so reagierte. Die Ärzte kämpften um sein Leben, überprüften dabei routinemäßig auch seine Blutwerte und stellten fest: Freienstein war an Diabetes mellitus erkrankt.
„Gerade als ich mich sonnte, stellte sich die Entgleisung der Stoffwechsel-Lage ein.“ erinnert sich Freienstein. „Mein Arzt war natürlich mein erster Ansprechpartner, aber mir wurde sehr schnell klar, dass ich selbst aktiv werden musste. Mir hat niemand erklärt, wie ich mich verhalten muss, wie wichtig es ist, ständig meinen Blutzuckerpegel zu kontrollieren – wenn ich nicht selbst aktiv geworden wäre, würde ich heute möglicherweise gar nicht mehr leben!“
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Thomas Freienstein, Typ-1 Diabetiker | Dr. med Benno Schulze-Schleppinghoff, |
Zum Glück fand er dann quasi im zweiten Anlauf mit Dr. Schulze-Schleppinghoff einen kompetenten und umsichtigen Arzt, der ihn sofort wieder zu einem stationären Aufenthalt einwies – dieses Mal jedoch, um in erster Linie eine umfangreiche Schulung einzuleiten. Freienstein lernte also die Hintergründe seiner Krankheit kennen, Ursachen und Symptome und wie damit umzugehen sei. "Die Erkrankten müssen ständig ihre Werte kontrollieren, Diabetes-Schulungen besuchen und entsprechend handeln.“ Schulze-Schleppinghoff betont daher die Bedeutung des bewussten Umgangs mit dem eigenen Körper und der Ernährung – die Vermittlung der dazu wichtigen Fakten bildet die Grundlage einer jeden Schulung.
Da bei Thomas Freienstein als dramatisches Element auch noch eine Spritzenphobie hinzukam, setzten Patient und Diabetologe die Verordnung einer Insulinpumpe durch. Dr. Schulze-Schleppinghoff riet zu einer Konsultation des Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen. Und der Essener Arzt kümmert sich weiterhin intensiv um Freienstein, hat immer ein offenes Ohr für Probleme und bietet im Essener Versorgungsnetzwerk Zugang zu kompetenten Ansprechpartnern.
Seitdem lebt der Diabetiker gut mit seiner Krankheit, findet zudem Zeit, sich für andere zu engagieren. Weil er zu Beginn besonders den Austausch mit ebenfalls Betroffenen und Gleichgesinnten vermisst hatte – es gab bis dahin in seiner Heimatstadt keine Selbsthilfegruppe für Typ-1 Diabetiker – gründete er eben selber eine.
„Treffpunkt.Eins“ nennen sie sich, treffen sich einmal im Monat zum Austausch und gegenseitiger Unterstützung und darüberhinaus zu gemeinsamer Freizeitgestaltung. Denn in der Gruppe lässt sich der bewusste und nachhaltige Umgang mit dem Diabetes leichter einüben und konstant betreiben. Das konsequente Selbstmanagement, der Umgang mit Werten, Ernährungsgewohnheiten und Einstellungen benötigt immer wieder einen neuen Anstoß. In der Gruppe motivieren sich die Menschen diesbezüglich gegenseitig.







