Volkskrankheit Diabetes
Ein Trainer bringt Bewegung in die Diabetes-Behandlung
"Sport ist das beste Mittel, um gesund zu bleiben" - das sagt sich so leicht. Was aber tun, wenn man bereits bei dem Gedanken an Sport ins Schwitzen kommt? Nur wer Spaß an der Bewegung hat, baut diese auch in den Alltag ein. Das ist besonders bei der Therapie des Diabetes mellitus wichtig. Was in der Theorie selbstverständlich ist, bereitet in der Praxis jedoch häufig Probleme. Um Defizite bei der Motivation und Fehler beim Training zu bekämpfen, kann ein Diabetesbewegungstrainer behilflich sein. Erstmalig (und deutschlandweit in dieser Form einzigartig) bietet das Institut für Bewegungstherapie die Möglichkeit der Weiterbildung zum Diabetesbewegungstrainer.
Seminarinhalt
Das Institut ist im Auftrag des Bundesverbandes für Diabetesbewegungstherapie und – therapeuten e.V. (BVfD) tätig. Die Weiterbildung richtet sich an Interessenten aus dem Bereich der Diabetologie oder der Physio- bzw. Ergotherapie. In einem zweitägigen Seminar lernen die Teilnehmer, sich auf die speziellen Bedürfnisse ihrer häufig körperlich beeinträchtigten Patienten einzustellen. Im ersten Unterrichtsblock werden grundlegende Kenntnisse zum Krankheitsbild Diabetes, der Behandlung, der Wirkungsweise von Insulin und Interventionsmöglichkeiten bei Über- oder Unterzuckerung vermittelt. Das richtige Blutzuckermessen wird zur besseren Anschauung am eigenen Finger geübt. "Nach anfänglichen Schwierigkeiten hatten alle ihre Angst vor dem Pieksen überwunden und es klappte reibungslos", so Markus Hoeps, Präsident des Bundesverbands und Inhaber des Instituts für Bewegungstherapie. Der zweite Teil befasst sich mit dem emotionalen Einfluss der Krankheit auf den Patienten: Wie funktioniert positives Denken und wie können Gedanken die Gefühle leiten?
Praktische Anwendung
Doch was wäre ein Diabetesbewegungstrainer ohne entsprechendes Training? Statt zwei Tage Frontalunterricht wird das theoretisch Erlernte zwischendurch bei Gymnastik und Bewegungsübungen im Schwimmbad angewendet. "Man muss die angehenden Trainer für ihre Schützlinge sensibilisieren. Sie müssen erkennen, dass den Diabetikern aufgrund körperlicher Beeinträchtigungen bestimmte Übungen schwerer fallen", sagt Hoeps. Die Bewegungstherapie richtet sich vor allem an ältere Typ-2 Diabetiker. Statt mit Joggen oder kilometerweitem Strampeln auf dem Rad zu beginnen, werden zuerst altersgerechte Übungen vermittelt, welche im Alltag umgesetzt werden können. "Oftmals erzielen kleine Hilfmittel wie Bälle oder Reifen große Wirkung. Darüber hinaus wird die Gruppendynamik und der gemeinsame Spaß an der Bewegung gefördert. Wenn die Diabetiker dies verinnerlicht haben, sind sie auch bereit, Ausdauersportarten wie Walking, Fahrradfahren oder Schwimmen durchzuführen", so Hoeps weiter.
Die Zertifizierung
Die letzte zu nehmende Hürde ist ein zehnseitiger Test am Ende des zweitägigen Seminars. "Die 15 Teilnehmer waren hoch motiviert und haben zum Teil bis spät in die Nacht gelernt", so Hoeps über die letzen Absolventen des Kurses. Das Lernen hat sich ausgezahlt, denn am Ende des Tages hielten alle Teilnehmer das "Zertifikat über die Fachkunde zur Durchführung von Bewegungsmaßnahmen bei der Stoffwechselerkrankung Diabetes mellitus" in Händen. Zur Qualitätssicherung muss das Wissen nach drei Jahren aufgefrischt werden.
Weitere Informationen: www.bvfd.de
Diabetesbewegungstrainer Hoeps mit einer Diabetiker-Schwimmgruppe





