Kalte Erbsen-Minzsuppe mit Frühingszwiebeln

Ob traditionell rheinländisch deftig mit ordentlich Speck oder als raffinierte Ergänzung für frische Speisen an heißen Tagen, dicke Bohnen sind vielfältig einsetzbar: Sie schmecken als Snack, Beilage oder Hauptspeise genauso wie in Vorspeisen und Salaten, in Suppen, Eintöpfen oder Aufläufen. Typisch dabei ist der sehr intensive Eigengeschmack, der leicht mehlig ist.
Wer ist die Dicke Bohne?
Die Dicke Bohne, auch Vicia faba genannt, gehört trotz ihres Namens nicht zur selben Gattung wie die grüne Gartenbohne, sondern ist eine Wickenart. Bevor die grüne Gartenbohne aus Amerika nach Europa kam, war mit der Bezeichnung „Bohne“ unmissverständlich die Dicke Bohne gemeint. Danach wurde der Begriff sowohl für die grünen Gartenbohnen als auch für die Bohnen der Wickenart verwendet.
Die Vicia faba wird je nach ihrer Körnergröße in drei Typen eingeteilt: Die kleinfrüchtige Vicia faba minor, die auch kleine Ackerbohne oder Feldbohne genannt wird, die mittelfrüchtige Vicia faba equina, die Pferde- oder auch Saubohne genannt wird, sowie die großfrüchtige dicke Bohne, die sich erst ab dem Mittelalter - besonders im Erfurter Raum - herausgebildet hat. Diese hat neben der Bezeichnung Dicke Bohne viele verschiedene Namen: Puffbohne, Lederne Jungs, Große Bohne, Große Ackerbohne oder Feldbohne lauten einige der Namen. Die dritte Variante ist für den menschlichen Verzehr am besten geeignet, während die anderen Sorten heute eher als eiweißreiches Viehfutter verwendet werden.
Bohne mit Tradition
Die Dicke Bohne ist bereits seit dem Altertum bekannt. Die ältesten Funde stammen aus einer steinzeitlichen Siedlung bei Nazareth in Israel. Seit dem dritten Jahrtausend vor Christus findet man auch im Mittelmeerraum und Ägypten Hinweise, dessen Nationalgericht „Fuul“ heute noch aus Dicken Bohnen besteht. Für die alten Ägypter, Griechen, Römer, Germanen, Kelten und Slawen war die Bohne nicht nur eine Alltagsspeise, sondern wurde auch für Spiele oder als Los für Politiker und Soldaten eingesetzt. In dieser archaischen Zeit glaubte man ebenfalls, dass der Genuss der Bohnen die Sexualität anrege und Verstorbenen die „Wiederverkörperung“ erleichtere.
Nur gekocht ein Genuss?
In deutschen Gefilden ist die Dicke Bohne heutzutage weit verbreitet. Die Bohnenkerne werden bei uns in der Regel nur gekocht verzehrt, da sie den Giftstoff „Phasin“ enthalten. Typische Gerichte sind gekochte Bohnenaufläufe oder -eintöpfe. Besonders fein wird der Dicke Bohneneintopf, wenn nicht nur der Kern aus der Schote gepult wird, sondern zusätzlich auch die ledrige Haut des Kernes entfernt wird. Dieser lässt sich leichter schälen, wenn er zuvor in Wasser gelegt wurde.
Im Mittelmeerraum werden die Dicken Bohnen auch traditionell roh als schmackhafte Delikatesse angeboten. Diese Tradition stammt wahrscheinlich noch aus der Jungsteinzeit und hat sich bislang gehalten. Es ist aber anzunehmen, dass in den Gebieten, aus denen dieser Brauch stammt, die Bewohner durch lange Erfahrung die Höhe des Phasingehalts ihrer Ackerbohnen sowie den richtigen Reifezustand zum Verzehr kennen. Die Kerne werden nur gegessen, wenn sie noch so weich sind, dass sie mit den Fingern leicht zerdrückt werden können. Für viele Menschen des Mittelmeerraumes Afrikas und Asiens, ist der rohe Verzehr jedoch nicht ratsam, im Gegenteil: er ist lebensgefährlich. Manchen Menschen fehlt durch Vererbung das Enzym „Glucose-6-phosphat-dehydrogenase“, welches den ebenfalls in der Bohne enthaltenen Stoff „Convicin“ verarbeitet. Sie sollten sich also tunlichst – egal ob roh oder gekocht – von der Dicken Bohne fern halten.
Vitaminreicher Kern
Für die Menschen, die nicht unter dem fehlenden Enzym leiden ist die Dicke Bohne sehr gesund. Sie besitzt einen hohen Gehalt an Kohlenhydraten, enthält hochwertiges Eiweiß, Calcium, Kalium, Phosphor, Eisen, Provitamin A und die Vitamine B1, B2, B6 sowie C. Damit ist sie ein echter Vitaminspender und war darum schon über Jahrtausende von größter Bedeutung für die menschliche Ernährung. Erst nach der Einführung der nahrhaften Kartoffeln und Gartenbohnen - sowie im 20. Jarhundert der Sojabohne -verlor sie ihre Bedeutsamkeit als besonders eiweißreiches Lebensmittel.
Kurioses Stadtmaskottchen der Erfurter
An Bedeutsamkeit verlor die Bohne jedoch nicht überall: In Erfurt besteht bis heute noch eine besonders innige Verbindung zur sogenannten „Erfurter Puffbohne“. Laut Quellen waren die Erfurter Böden gepaart mit dem milden Klima immer schon besonders fruchtbar, wodurch sehr ertragreiche Ernten gewonnen wurden. Die Bohne gedieh dermaßen prächtig, dass sie anlässlich ihrer Größe einen speziellen Namen bekam. Im Sinne von großer Bohne wurde sie aufgebuffte Bohne genannt, woraus später wohl der Name Puffbohne entstand. Eine tiefe Verbundenheit ist auch darauf zurückzuführen, dass die Bohne bereits im Mittelalter für die arme Bevölkerung als vollwertige Mahlzeit diente, da sie durch ihren Stärke- und Eiweißgehalt sehr nahrhaft war.
Überlieferungen zur Folge, zogen echte Erfurter damals ihren Hut, wenn sie an einem Puffbohnenfeld vorübergingen. Heute jedoch wird den Bohnen auf andere Weise die alte Ehrehrbietung entgegengebracht: Als Stadtmaskottchen gibt es sie inzwischen in sechs Plüscheditionen - von Babyblau für Neugeborene, mit Weihnachtsmütze zur Winterzeit bis hin zur multikulturellen Variante mit braunem oder gelbem Gesicht.
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